B e r n d   H e i n e

Bürgermeister für Waldsolms

Zukunft gemeinsam gestalten

Bei Besuchen in den Kindertagesstätten oder der Schule bin ich oft gefragt worden, was ein Bürgermeister überhaupt macht. Einige Kinder wussten sofort eine Antwort: "Na der sitzt im Rathaus".

Was macht ein Bürgermeister?

Ein Bürgermeister hat viele Aufgaben. Bespielsweise die Verantwortung für

die freiwillige Feuerwehr in allen unseren Ortsteilen

►3 Kindertagesstätten

► den Gemeindebauhof

► unseren Gemeindewald

► unser Freibad

► unsere Wasserversorgung

► unsere Abwasserentsorgung

► alle Arbeitsbereiche des Rathauses

Und ein Bürgermeister ist auch kraft Amtes Ortspolizeibehörde. Schon deswegen ist es nicht möglich, es Allen recht zu machen. Klar und geradlinig wie Sie mich kennen, möchte ich weiter als Ihr Bürgermeister tätig sein dürfen.

Froh und stolz bin ich auf engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in allen Bereichen Hervorragendes leisten. In unserer kleinen Gemeinde ist jeder selbst mitverantwortlich und handelt entsprechend.

Was verspricht uns der Bürgermeister?

Vor 12 Jahren habe ich Ihnen auch nicht das Blaue vom Himmel versprochen. Die Gemeinde Waldsolms macht das, was geht. Und das konsequent.

Oft höre ich: Mach doch richtig Schulden! Irgend wer wird es schon bezahlen. Dann kommt ein Rettungsschirm und fängt uns auf. Hierzu meine ganz klare Meinung: Nein! Würden Sie privat so haushalten? Würden Sie sich übernehmen und verschulden und hoffen, dass Ihnen dann geholfen wird?

Wir haben die kommunale Selbstverwaltung. Diese ist ein hohes Gut und wir werden als Gemeinde nur dann selbst weiter entscheiden können, wenn wir finanziell handlungsfähig bleiben. Sie können sicher sein, dass ich alles daran setze, dass dies so bleibt.

Und ganz aktuell sehen wir, dass wir richtig gehandelt haben. Wir bekommen rd. 1 Mio. Euro Investitionszuschuss und Kimmunen mit Kassenkrediten müssen kräftig an der Steuerschraube drehen.

Ein Blick in die Zukunft

Wir lesen und hören viel vom demografischen Wandel. Das klingt kompliziert, ist aber recht einfach. Unsere Bevölkerung wird weniger und älter.

Warum das, fragen wir uns vor dem Hintergrund, dass die Weltbevölkerung immer schneller wächst. Warum werden wir weniger und woanders werden es mehr?

Schauen wir uns die Familienstrukturen in Deutschland an. War es noch vor 50 Jahren üblich, mindestens 2 Kinder zu haben, so ist dies heute anders. Oftmals haben Paare überhaupt kein Kind und wenn, dann nur eins. Dass dies so ist liegt sicher auch daran, dass Kinder nicht nur Geld kosten, sondern meistens auch noch ein Einkommen wegfällt. Die Möglichkeit der Kinderbetreuung und damit den Wiedereintritt in das Berufsleben haben wir in Deutschland lange Jahre unterschätzt. Und nun haben wir weniger Kinder, weil die, die heute diese Kinder bekommen könnten, selbst nicht geboren worden sind.

Wir müssen also mit dieser Tatsache leben und uns verinnerlichen, dass Änderungen nur mit jahrzehntelanger Verzögerung möglich sein werden.

Was heißt das nun konkret? Während in den Großstädten noch ein Bevölkerungswachstum zu verzeichnen ist, werden es im ländlichem Raum immer weniger und ganz hart trifft es die Kommunen, die weit von Ballungsräumen liegen und keine gute Infrastruktur haben.

Infrastruktur kostet Geld und dies nicht nur bei der Anschaffung, sondern erst recht bei der Unterhaltung. Ein konkretes Beispiel macht dies deutlich. Wenn wir 10 % weniger Einwohner und damit auch Verbraucher von Trinkwasser haben, müssen die verbleibenden 90 % für 100 % der Kosten aufkommen. Das ist eine Preissteigerung von immerhin 11 %. Und in manchen kleinen Ortsteilen – seien wir froh, dass es nicht Waldsolms ist – wird ein Rückgang von 60 % vorhergesagt. Wie sollen dann beispielsweise Feuerwehr oder Dorfgemeinschafthäuser finanziert werden?

Oder auch neue Anforderungen, beispielsweise an Kläranlagen, lassen die Gebühren explodieren, so dass immer mehr in die Städte flüchten werden.

Im ersten Moment sind die Ballungsräume froh, dass sie Zuzüge zu verzeichnen haben. Schließlich sichert dies höhere Steuereinnahmen. Doch auf der anderen Seite benötigen die zugezogenen Familien auch zusätzliche Infrastruktur. Denken wir an Kindertagesstätten und Schulen. In den Städten wird fleißig gebaut und auf dem Land stehen die Einrichtungen leer.

Ein volkswirtschaftlicher Unsinn, der unter dem Strich nur Geld vernichtet und große Probleme verursacht.

Förderung des ländlichen Raums

Menschen stimmen mit den Füßen ab und gehen dorthin, wo sie das finden, was sie suchen.

Wenn also der ländliche Raum attraktiv bleiben möchte, muss ein Mindeststandard angeboten werden, den insbesondere junge Leute heute als selbstverständlich ansehen. Nehmen wir das schnelle Internet. Ohne dieses werden in Zukunft Wohnungen und Häuser nicht mehr vermietet oder verkauft werden können. Oder Kinderbetreuungsangebote. Wer hier nicht auf der Höhe der Zeit ist, hat schon verloren.

Ein weiterer Stein im Mosaik ist die Ärzteversorgung. Was bei uns als selbstverständlich angesehen wird, ist in vielen Gemeinden schon lange vorbei. Arztpraxen können mangels Nachfolger nicht weitergeführt werden und schließen.

Was sind das für Aussichten, dass wir eine immer schlechtere ärztliche Versorgung haben werden, gerade wenn wir älter werden?

Was also können wir tun?

Wir Deutschen sind ja dafür bekannt, dass wir alles verwalten. Wir notieren die Einwohnerzahlen, erfassen jedes leerstehende Haus. Schauen wo Ältere allein leben und prognostizieren, wann auch dieses Haus leer stehen wird.

Dann wissen wir noch genauer, was wir für Probleme haben, aber der Lösung des Problems dient dies alles nicht.

Im Jahr 1987 bin ich das erste Mal nach Waldsolms gekommen und wir haben 1988 hier gebaut. Vorher wohnten wir im Ballungsgebiet und sind „aufs Land“ gezogen. Ein Grund war natürlich der vergleichsweise günstige Baulandpreis. Ein ganz wichtiger Punkt war aber die gute Infrastruktur. Von Einkaufsmöglichkeiten, Kindergarten, Schule bis zur ärztlichen Versorgung war alles vorhanden.

Warum ist heute der Trend eher umgekehrt kann man sich fragen. Unsere Baulandpreise sind immer noch günstig und gebrauchte Häuser bekommt man heute zu niedrigen Preisen. Aus zwei Kindergärten sind drei Kindertagesstätten geworden. Einkaufsmärkte und Taunusbahn sind hinzugekommen.

Also daran kann es nicht liegen. Damals mussten wir natürlich einen Kredit aufnehmen, um bauen zu können. Und genau hier liegt das Problem. Junge Leute haben heute kaum noch Festanstellungen. Immer wieder neue befristete Verträge und oft auch einen viel zu geringen Arbeitslohn. Wer nicht weiß, ob er morgen noch Arbeit hat, wird nicht bauen. So einfach ist es leider.

Heute ist es nicht mehr selbstverständlich, dass man davon leben kann, wenn man ganztags arbeiten geht. Geringer Arbeitslohn zieht später eine geringe Rente nach sich. Es wird also nicht besser, sondern noch schlechter werden.

Das Auflegen von Neubaugebieten wird im ländlichen Raum schon bald der Vergangenheit angehören. Es gilt, die Innenbereiche der Dörfer zu erhalten. Genau hier liegt ein riesiges Potential. Kleine Häuser im Ortskern sind keine Neubauten aber haben ihren ganz eigenen Charme. Gerade junge Familien können solche Immobilien günstig kaufen, Stück für Stück renovieren und ihren Bedürfnissen anpassen.

Genau hier setzt eine von Waldsolms unterstützte gemeinsame Initiative an. Kommunen präsentieren sich und bieten gezielt solche Immobilien an. Unter dem Motto: „Wohnen in Mittelhessen“ muss Werbung gemacht werden, wieder „aufs Land“ zu ziehen. Und wenn diese Familien zu uns kommen haben wir die passende Infrastruktur schon.

Darüber hinaus beschert uns der zunehmende Wohnungsmangel im Rhein-Main-Gebiet derzeir eine vielfältige Nachfrage. Durch unseren Taunusbahnanschluss sind wir als Wohnsitzgemeinde wieder deutlich attraktiver geworden.

Wir werden schon bald einen spürbaren Fachkräftemangel haben und uns daher der Zuzugsproblematik stellen. Auch hier bestehen Entwicklungspotentiale, die genutzt werden können.

Ein weiterer Punkt sind seniorengerechte Wohnungen. Nur wenn Senioren wissen, wo sie Hilfe und falls benötigt Pflege erhalten können, werden sie sich für einen Umzug aufs Land entscheiden bzw. von dort nicht abwandern. Da, wie schon anfangs erwähnt, der demografische Wandel zu einer immer höheren Anzahl von Älteren führt, ist die Ausweisung von seniorengerechten Wohnungen eine zukunftsweisende Investition. Hier kann und soll die Gemeinde helfen. Oft fängt es schon bei „Kleinigkeiten“ an. So kann heute schon bei Modernisierungen im Haus an Morgen gedacht werden. Wie beispielsweise die Frage, ob eine ebenerdige Dusche nicht doch später besser sein wird auch wenn man heute keine Probleme hat, in eine Duschtasse zu klettern. Hier stehen unsere heimischen Handwerker Ihnen mit Rat und Tat zur Verfügung.

Ein ganz wichtiger Schritt in die richtige Richtung war hier der Bau eines neuen Seniorenheims in Waldsolms-Brandoberndorf.

„Man soll die Dinge so nehmen, wie sie kommen. Aber man sollte auch dafür sorgen, dass die Dinge so kommen, wie man sie nehmen möchte.“ Dieses Zitat stammt von Curt Goetz und macht Mut, nicht den Kopf in den Sand zu stecken, sondern unsere Zukunft gemeinsam aktiv mit zu gestalten.

  

 

 

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